Videoprogramm im Oktober

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Mittwoch 05. Oktober 2005 - 20 Uhr
Eintritt: 3.50 Euro

special - Die Sammlung Goetz aus München zeigt:

Freak Orlando 1980/81, 122 Minuten
Ulrike Ottinger, Deutschland

Der Film handelt von einer Weltgeschichte der Freaks in fünf Akten. Die Hauptfigur Orlando Zyklopa verweist auf Virginia Woolfs berühmte Romanfigur "Orlando". Beiden ist neben dem Namen die Eigenschaft gemein, ihr Geschlecht zu wechseln, nach dem Tod wiedergeboren zu werden und in verschiedenen Jahrhunderten zu leben. Man folgt der Wanderin zwischen Welten und Zeiten durch unterschiedliche historische Epochen. So geht es in der antiken Vorzeit um den Ausverkauf der Mythen, im Mittelalter um die Wundergläubigkeit, sowie um die Verfolgung und Folter im Spanien der Inquisition. Im ausgehenden 19. Jahrhundert wird die Zurschaustellung von Freaks in Abnormitätenschauen thematisiert und in der Gegenwart bei einem Hässlichkeitswettbewerb in Italien. Während dieser knapp zweistündigen Zeitreise wird in den ca. 160 Nebenrollen alles aufgeboten, was in der Vergangenheit abgeschoben, geächtet, verfolgt, bestenfalls auf der Kirmes zum Bestaunen freigegeben wurde.

Die 1942 in Konstanz geborene Ulrike Ottinger gehört zu den international renommiertesten Vertreterinnen des deutschen Films. Da erstaunt vielleicht zunächst, dass ihr Werk in der Kunstszene weit mehr bekannt ist als beim klassischen Kinopublikum. So sind ihre seit den 1970er Jahren entstehenden Filme auch häufig im Rahmen von Kunstausstellungen zu sehen. Ihr Film "Südostpassage" (2002) wurde auf der documenta 11 in Kassel vorgestellt. Die Einladung zur Teilnahme an diesem nach wie vor weltweit wichtigsten Ausstellungsereignis im Bereich der Gegenwartskunst verdeutlicht das Ansehen Ottingers ebenso wie ihre Sonderstellung zwischen Film und bildender Kunst.

1989 Deutscher Filmpreis - Filmband in Gold für die visuelle Gestaltung, Berlin [D]; Audience Prize Montréal [CDN]; Outstanding Film of the Year, London [UK]; 1986 Preis der Deutschen Filmkritik

Ulrike Ottinger's film Freak Orlando is about a world history of the freaks in five acts. The main character, Orlanda Zyklopa, is a reference to Virginia Woolf's famous literary character "Orlando". In addition to sharing their names, both share the traits of changing their gender, being reborn after death, and living in various centuries. In five episodes, one follows the wanderer between worlds and eras, through various historical epochs. In pre-classical antiquity it is about the selling off of myths, in the Middle Ages about the belief in wonders, as well as persecution and torture in Spain during the Inquisition. In the late nineteenth century, the theme is the display of freaks in abnormality shows, and in the present, their display at an ugliness competition in Italy. During this terse two-hour journey through time, in the around 160 secondary roles, everything is called up "that in the past has been deported, outlawed, persecuted, at best set free to be gazed at in wonder at a church fair.

Ulrike Ottinger, born in Konstanz in 1942, belongs to the international most renowned representations of the German film. At first, you will be surprised, that her works are much better known in the art scene than to the classical cinema audience. This is why since the 1970's her films are also often shown at art expositions. Her film "Südostpassage" (2002) has been presented on the documenta 11 in Kassel. The invitation to take part in this most important art event in the world, in what concerns contemporary art, emphasizes the prestige of Ottinger as well as her special position between film and graphic art.

 

 

 

Mittwoch 12. Oktober 2005 - 20 Uhr
Eintritt: 3.50 Euro

"Ein Zentrum in der peripherie" zeigt:

Puerta 1 2001, 53 Minuten (OmeU)
Ezequiel Sarser, Spanien

In der ersten Nacht dieses neuen Jahrhunderts stehen Migranten aus aller Welt vor dem Regierungsgebäude in Barcelona Schlange. Sie haben bereits Tage gewartet um die Papiere zu erhalten, die ihren Aufenthalt im Land legalisieren. Einige kamen mit dem Flugzeug über den Atlantik, andere riskierten ihr Leben beim Überqueren der Meerenge zwischen Marokko und Spanien mit einem kleinen Boot. Sie bringen ihre Kinder und ältere Angehörige mit , um in der eisigen Kälte des Winters auf dem Boden liegend zu warten. Sie versuchen in ein Land zu gelangen, dass sie, mit einem, auf Stärke basierenden Darwinschen Auswahlverfahren begrüßt. Sie warten darauf, dass sich die Tür Nummer "Eins" am Morgen öffnet und sie schließlich in die Welt eintreten können, die ihnen in ihrem Heimatland versprochen wurde.

On the first night of this new century, immigrants from all over stand on line at the Barcelona Government Offices. They've been waiting for days to get a few papers that allow them to be legal. Some have passed through the Atlantic by plane; others risked their lives crossing the straits that separate Morocco from Spain on a small boat. They bring their children, and the elders along to lie on the floor, in the freezing cold of winter. They try to make their way into a country that greets them with a Darwinian process of selection based on strength. They wait for the Door number One to open its gates in the morning, so they can finally enter into the world they were promised in their homelands.

   

Mittwoch 19. Oktober 2005 - 20 Uhr
Eintritt: 3.50 Euro

"Ein Zentrum in der peripherie" zeigt:

Skyline 2004, 12 Minuten
Juliane Stiegele, Deutschland

Auf den Häusern von 22 Weinbergschnecken werden papierne Wolkenkratzer befestigt, und mit ihnen zunächst eine Skyline mit vertrautem Erscheinungsbild aufgebaut. Von diesem Zeitpunkt an bestimmen die Tiere den Lauf des Geschehens und verfahren nach ihren eigenen Intensionen. Sie haben keinerlei Interesse daran, die Häuser senkrecht zu halten, bilden neue Konstellationen nach ihren eigenen sozialen Strukturen, kriechen über- und untereinander oder schlafen einfach. Allmählich löst sich das überspitzte menschliche Ordnungsgefüge der Skyline völllig auf. Das Video ist beendet, wenn die letzte Schnecke die Versuchsanordnung verlassen hat.
Die Orignialaufnahmezeit war 3:56 h.

Paper skyscrapers are fastened on the houses of 22 snails and first of all a familiar skyline is formed with them. From then on the animals have the control over what happens and act by their own intentions. They are not at all interested at keeping the houses upright, they create new constellations according to their own social structures, they creep under and over another or simply sleep. By and by the human order of the skyline dissolves totally. The video ends when the last snail has left the experiment arrangement.
The original recording time was 3:56h.

Loisada, Avenue C 2004, 52 Minuten (eng)
Maeva Aubert, Frankreich

In New Yorker Slang bedeutet "Loisada" "Lower East Side". Dies ist auch der Name der Gegend in der sich an der Avenue C ein Gemeinschaftsgarten befindet. Während meiner Zeit als Gärtnerin in New York filmte ich den Garten in den verschiedenen Jahreszeiten. Mein Film ist keine didaktische Dokumentation sondern eine persönliche Erfahrung, Plastik, Klang und Poesie. Gärtner erzählten mir über ihr tägliches Leben außerhalb des Gartens, andere, zurückhaltendere Personen gaben mir Rezepte, berichteten über ihren Lieblingsfilm usw...
Loisada Avenue C ist eine Parabel über das Verhältnis der Menschen in diesem abgeschlossenen Garten, einem Lebensraum, der soziale Verbindungen zwischen den Bewohnern der ärmeren Gegend knüpft, und der urbanen Kultur in New York. Dieser Film über die menschliche Natur und die Qualität des Lebens entstand zwischen 1998 und 1999 als ich in New York lebte. Die Interviews mit den Gärtnern waren meine Form des "sich kennenlernens". Auf dem Weg zwischen meiner Wohnung und dem Garten entstanden die Audioaufnahmen des Großstadtlärms. Erst später filmte ich den Garten mit 16mm, Super8 und machte Photos.

"Loisada" means "Lower East Side" in New York slang. It's also the name of the neighborhood where the community garden at Avenue C is located. I filmed this garden throughout different seasons at a time when I was a community gardener. Far from being a didactic documentary, my film is a personal experience, plastic, sonorous and poetic. Gardeners told me their day to day life outside the garden, and others, more reserved gave me recipes or told me about their favorite film, etc...
"Loisada Avenue C" is a parable on the mixture of human and urban culture in New York, in an enclosed garden, a living place that "knits" social links between inhabitants in a lower income neighborhood. It's a film about human nature and the quality of life.
I made my film between 1998 and 1999 when I lived in New York. The interviews with the gardeners came first; it was my way of getting to know them. While walking from my home to the garden, I recorded the cacophony of ambient musical sounds that became a part of the city's din. Later, I filmed in 16mm, Super 8, and also used a still camera.

   


Mittwoch 26. Oktober 2005 - 20 Uhr
Eintritt: 3.50 Euro

"Ein Zentrum in der peripherie" zeigt:

4 Woman 2001, 23 Minuten (OmeU)
Hanna Smitmans, Deutschland

In vier Porträts schildern vier Frauen ihr Leben ohne Aufenthaltsgenehmigung in Amsterdam. Die Hände der Frauen, gefolgt durch die Kamera, sind Sinnbild für den Aufbau ihrer unabhängigen Existenz. Die Bilder zeigen die Frauen als aktiv Handelnde, die sich den immer wieder neuen Hürden des Alltags mit Ausdauer widersetzen.

Four woman describe the daily obstacles the run into living in amsterdam without residence permit. They are not satisfied to be victims of their situation but willing to shape their existence with their own hands.


Common Place 2001, 24 Minuten (spanisch, englisch, deutsch)
Claudia Aravena Abughosh und Guilermo Cifuentes, Chile

Der Film, der auf einer audiovisuellen Korrespondenz zwischen Santiago de Chile und Berlin basiert, verwendet Austausch und Dislokation als poetische Grundlage und Arbeitsmethode. Durch Überlagerung und ständige Bewegung ist das Video vor allem Ausdruck zeitlicher Ereignisse, die Brücken zwischen dem "hier und dort", "heute und morgen" und dem "einen und anderen" schlagen. Santiago de Chile und Berlin werden im Wechsel von Blicken, Tönen, Bildern und Texten zum alltäglichen Spielraum, einem Ort an dem sich Gemeinschaft in der existentiellen Auseinandersetzung eines Fremden, zerrissen zwischen der Notwendigkeit des Abstandes und dem Wunsch des Dazugehörens, als subjektiv darstellt.

Das Video wurde ohne Übersetzungen in drei Sprachen konzipiert (spanisch, englisch, deutsch).

Based upon an audiovisual correspondence, "common place" is built upon exchange and dis-location as poetic foundations and working methods. Working in and with displacement and constant movement, the tape is above all expression of an activity unfolding through time, that builds bridges between here and there, now and then, one and other. Santiago de Chile and
Berlin-Germany, become, in the exchange of gazes, sounds, images and texts that travel in the everyday, the poles of a place common only in subjectivity, in the exercise of being a foreigner as existential position, tensed between the need of distance and the desire of belonging.

This video is in 3 languages (Spanish, English and German) concepted without translation.


Kayam Al Hurbano 1999, 35 Minuten (OmeU)
Tirtza Even und Alon Bosmat, Israel / USA

Das Material für diese Arbeit wurde im Sommer und Herbst '98 in Deheishe aufgenommen, einem Flüchtlingslager nahe Bethlehem in der Gegend von Hebron. Während dieser Zeit haben wir Leute besucht und interviewt, deren Häuser, wie die vieler Bewohner des Flüchtlingslagers, von der israelischen Regierung zerstört wurden oder die Androhungen von Zerstörung erfahren haben. Fragmente ihrer Geschichten und Kommentare sind mit den aufgenommenen Bildern und einem traumartigen Text von Bosmat Alon verwoben, der die Komplexität unserer Situation als Zeugen reflektiert - sowohl involviert, wie auch außenstehend, fremd oder schuldig. Das Video ist durchdrungen von der großen Stille des ständigen Wartens, von starren Momenten und Unbeweglichkeit.

Tirtza Even war in den vergangenen 10 Jahren als Videokünstlerin und Dokumentarfilmerin aktiv. Ihre Arbeiten wurden im Modern Art Museum, NY, auf der Whitney Biennale, der Johannesburg Biennale, wie auch auf vielen anderen Festivals, in Gallerien und Museen in den USA, Israel und Europa präsentiert. Als Gastrednerin war sie zu zahlreichen Konferenzen und Universätsprogrammen geladen, u.a. im Whitney Museum Seminar, dem Digital Flaherty Seminar, beim jährlichen Art Pace Forum und der ACM Multimedia Konferenz. Zur Zeit unterrichtet sie als Vollzeit-professorin im Rahmen des Interactive Telecommunications Programmes, NYU, an verschie-denen Universitäten und Colleges im Bereich Video- und Multimediaproduktion und Postproduk-tion, Experimental- und Dokumentarfilmtheorie, Videokunst und Medientheorie und veröffentlicht Artikel über Videokunstgeschichte und -theorie in Israel und den USA.

The material for this work was shot in Deheishe, a refugee camp near Bethlehem, and in the Hebron surroundings, over a period of several months in the summer and fall of 98. During this period, we visited and interviewed people whose homes had been demolished or threatened to be demolished by the Israeli government, as is the case for many of the refugee camp dwellers. Fragments of their stories and comments are interwoven with the images we shot, and with a short dream-like text, written by Bosmat ALON, which reflects the complexity of our own stance as witnesses - either invasive, detached, foreign or guilty. The video is however mostly pervaded by the heavy silence of a continuous waiting, fixed moment, or room to non-maneuver.

Tirtza Even has been a practicing video artist and documentary maker for the past ten years. Her work has appeared at the Modern Art Museum, NY, at the Whitney Biennial, the Johannesburg Biennial, as well as in many other festivals, galleries and museums in the United States, Israel and Europe. She has been an invited guest and featured speaker at numerous conferences and university programs, including the Whitney Museum Seminar series, the Digital Flaherty Seminar, Art Pace annual panel, ACM Multimedia conference and others.
Currently an adjunct professor at the Interactive Telecommunications Program, NYU, she has been teaching Video and Multimedia Production and Post-Production, Experimental and Documentary Film Theory, Video Art and Media Theory and Production at a number of colleges and universities and has published articles about video art history and theory in Israel and the United States.

   

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